Kirchgemeinde Staufberg

Wahrscheinlich im 8. Jahrhundert entstand die Urpfarrei und umfasste die Ortschaften Staufen, Schafisheim, Lenzburg, Ammerswil, Dottikon, Möriken und Othmarsingen. Auf dem Staufberg stand die Mutter- oder Markkirche mit Filialkapellen in Lenzburg (Stadt und Schloss), Dottikon, Möriken, Othmarsingen und Schafisheim. Bereits sehr früh lösten sich Ammerswil und Othmarsingen. In der Folge der Reformation, verordnet 1528, entstanden dann 1565 die übrigen unabhöngigen Kirchgemeinden mit eigenen Pfarreien.
Mit der Gründ8ung des Kantons Aargu 1803 wurden die christlichen Landeskirchen geschaffen und gesetzlich als "Staatschristentum" festgelegt und geregelt. Die freie Ausübng der Gottesdienste wurde gewährleistet.
Diese bestand während 425 Jahren aus den heutigen Gemeinden Niederlenz, Schafisheim und Staufen. Seit 1990, der Verselbständiung von Niederlenz, umfasst sie noch die Gemeinden Schafisheim und Staufen mit insgesamt ca. 2650 Kirchgemeindemitgliedern, wovon ca. 2050 stimmberechtigt sind (Schafisheim ca. 1100, Staufen ca. 950).
Bei Ausgrabungen in der Kirche
(letztmals 1994) wurden Spuren römischer Siedlungen, frühmittelalterlicher Gräber sowie Schutt einer ersten,
vermutlich im 8. Jh. erbauten Kirche gefunden. Eine zweite Kirche wurde vermutliche im 10. Jh. erstellt, der
Turm im 11. Jh., und während rund 500 Jahren durch verschiedene Ausbauten und Erweiterungen zur heutigen Grösse
vollendet. Das Gotteshaus wird erstmals 1173 urkundlich erwähnt und gilt als Gründung der Grafen von Lenzburg und des
Klosters Beromünster.
Nach dem Brand von 1419 wurde der Chor in der heute noch bestehenden Form neu errichtet und die eindrückichen Bildfenster eingebaut. Über den ebenfalls wieder aufgebauten Oberteil des Turmes sind keine schlüssigen Hinweise vorhanden.
1960 wurden sämtliche Gebäude auf dem Staufberg unter eidgenössischen Denkmalschutz gestellt.
Das jetzige Aussehen erhielt die Kirche bei
der Innenrenovation 1994/95 und bei der Aussenrenovation 2002 aufgrund von alten Funden, wobei die Kirchendecke im
Kirchenschiff und die Farbe des Turmoberteils besonders hervorzuheben sind.
Die Glasmalereien im Chor, im Jahre 1420 von unbekannten Künstlern geschaffen und in die gotischen Chorfenster eingebaut, stellen zweifellos den kostbarsten Schatz der Kirche dar. Der nicht mehr vollständig erhaltene Bildzyklus umfasst im wesentlichen Verkündigung, Geburt und Leben Jesu Christi bis zur Kreuzigung.
Die aus Holz geschnitzte farbige Barockkanzel stammt aus dem Jahre 1720. Sie wurde 1903, angepasst an das übrige Holzwerk, dunkelbraun übermalt und bei der Restaurierung 1963 aber wieder in die ursprüngliche Farbenpracht gefasst und 1995 der neuen Decke angepasst.
1968 erfolgte der Einbau der heutigen zweimanualigen Orgel. Deren Gehäuse und Rückpositiv wurden farbliche der Kanzel nachgebildet. Sie hat 20 Register.
Das Geläute bestand ab 1420 aus zwei, dann aus drei und besteht seit dem 01.09.2002 (erstmaliges Läuten) aus vier Glocken:
Guss |
Durchmesser |
Gewicht |
Schlagton |
|
|---|---|---|---|---|
| Nr. 1 | 1420 | 135 cm | 1450 kg | Es' |
| Nr. 2 | 1420 | 103 cm | 950 kg | As' |
| Nr. 3 | ca. 1500 | 95 cm | 500 kg | B' |
| Nr. 4 | 1786 | 75 cm | 300 | Ces'' |
Nach dem Stadtbrand von 1490 wurde die Glocke Nr. 2 in die neu erbaute Kapelle nach Lenzburg gegeben. Als Ersatz dafür konnte bereits um 1500 die neue Glocke Nr. 3 aufgezogen werden. 1935 gelangte die Glocke Nr. 2 durch Leihverrag mit drei anderen in die neu erbaute reformierte Kriche von Birmenstorf AG. Dank der Unterstützung durch den Stadtrat von Lenzburg konnte sie 2002 als Dauerleihgabe wieder heimgeholt werden.
Errichtet in spätgotischer Zeit mit mehreren Umbauten bis ins 18. Jh. Eine erste Scheune entstand 1582. Die jetzige Scheune entstand 1762. Sie wurde 1980 renoviert und zum Begegnungsraum umgestaltet.
1513 als Beinhauskapelle errichtet, 1586 zum Wohnhaus umgebaut und 1964 um den Anbau auf der Nordseite erweitert.

Der Schacht, 1488 gegraben, war für die Versorgung der Bewohner des Staufberges mit Wasser bis 1912 in Betrieb. In Fronarbeit wurden 1996/97 der Schacht freigelegt und das grosse Tretrad wieder funktionsfähig gemacht.
Die Hugenottenfamilie Brüttel (in Frankreich verfolgte Protestanten) erwarb 1736 Herrschaft und Schloss mit der Kirche. Südlich des Schlosses baute sie ein Frabrikgebäude an, in welchem bedruckte Stoffe (Indienne) hergestellt wurden. 1803 erfolgte die besitzumässige Abtrennung des Schlosses.
1821 wurde das Fabrikgebäude mit Scheune und Kirche von Rudolf Baumann, Gemeinderat in Schafisheim, erworben. Er baute das Fabrikgebäude in ein Wohnhaus, das spätere Schlössli, um.
1968 verkaufte der letzte private Eigentümer, Samuel Hofmann, diese Liegenschaft an die Kirchgemeinde Staufberg. Diese richtete im Dachgeschoss einen kleinen Saal für kirchliche Anlässe ein, die übrigen Wohnungen blieben vermietet.
1980 wurde der Verein für Alterswohnungen (VAS) gegründet. Diesem schenkte die Kirchgemeinde 7/12 von Gebäude und Grunstück. Im Umfang von 5/12 blieb sie Miteigentümerin. Aufgrund eines beiderseitigen Beschlusses erfolgten dann 1984/85 Renovation und Umbau, nachdem das Gebäude zuvor unter kantonalen Denkmalschutz gestellt worden war. Seither beherbergt das Schlössli Schafisheim im Untergeschoss den für vielfältige Zwecke nutzbaren Schlosslisaal und im Erdgeschoss das Sitzungs- und das Unterrichtszimmer sowie das Büro des Pfarramtes.
Ausgrabungen zeigten, dass bereits in romanischer
Zeit eine Kapelle stand, die später noch vergrössert wurde. Walter von Hallwyl liess 1497/98 die jetzige Kirche mit dem
markanten Turm bauen.
Einmalig für eine Kirche dürfte der Umstand sein, dass sie sich während langer Zeit in wechselndem weltlichem Besitz und Eigentum befand:
1736 Familie Brüttel (vgl. unter Ziff. 7)
1821 Rudolf Baumann, Kantonsrat, Schafisheim
1855 Ortsbürgergemeinde Schafisheim
Während mehreren Jahrzehnten wurde die Kirche zweckentfremdet und schlecht unterhalten.
1933 erfolgte eine umfassende Renovation, so dass seither wieder kirchliche Anlässe darin durchgeführt werden konnten.
Im Zuge der 1956 durchgeführten Renovation erfuhr die Kirche namhafte bauliche Veränderungen durch den Anbau des Seitenschiffes, die Verlegung des Einganges von der Süd- auf die Westseite und die heutige Führung der Aussentreppe auf die Empore. Der Kirchturm erhielt eine neue Turmuhr und ein neues Geläute. Die Benützung der Kirche, die sich noch immer im Eigentum der Orsbürgergemeinde Schafisheim befand, durch die Kirchgemeinde Staufberg wurde in einem Mietvertrag geregelt.
2002 ging die Kirche gestützt auf einen Schenkungsvertrag von der Ortsbürgergemeinde an die Kirchgemeinde Staufberg als neue Eigentümerin über. Dies mit der Auflage, innert vier Jahren die notwendige Aussenrenovation durchzuführen.
Seit 1963 verfügt die Kirche anstelle des bisher verwendetren und nicht mehr brauchbaren Harmoniums über eine kleine einmaualige Orgel mit vier Registern.
Seit 1956 verfügt die Kirche Schafisheim über ein neues Geläute, welches aus den nachstehend genannten drei Glocken besteht:
Guss |
Durchmesser |
Gewicht |
Schlagton |
|
|---|---|---|---|---|
| Nr. 1 | 1956 | 79 cm | 300 kg | C'' |
| Nr. 2 | 1956 | 66 cm | 165 kg | Es'' |
| Nr. 3 | 1956 | 59 cm | 110 kg | F'' |
Dieses Geläute löste ein früheres, aus zwei Glocken bestehendes ab. Dieses hatte der Schafisheimer Kirche seit 1498 während mehreren Jahrhunderten gedient. Anlässlich des Turmbaus war das kleine, aus der seinerzeitigen alten Kapelle stammende Glöcklein zusammen mit einer neuen Glocke in den neu erbauten Turm aufgezogen worden.
Dem Schenkungsvertrag folge leistend hat die Kirchgemeinde Staufen 2005 eine Baukommission beauftragt die Kirche Schafisheim einer Renovation unterzuziehen.